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11.02.2016

Interview mit Jochen Voigt

Jochen, Du hast Dich auf Deinem beruflichen Lebensweg entschlossen, Bio-Landwirt zu werden und einen Bauernhof nach ökologischen Richtlinien zu betreiben. Wie kam es dazu?
Ursprünglich wollte ich Selbstversorger werden, aus Protest gegen die Konsumgesellschaft. In den 1970er Jahren hatten wir nicht die Informationen, die uns heute zur Verfügung stehen - aber im Großen und Ganzen waren seit „Die Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome und „Ein Planet wird geplündert“ von Herbert Gruhl die wichtigsten Thesen klar und haben bis heute ihre Gültigkeit überwiegend bewahrt: Die ökologischen Lebensgrundlagen der Menschheit sind in großer Gefahr und sind weiter gefährdet, wenn wir einer auf Gewinn orientierten Wachstumsideologie nichts entgegen stellen.
Als ich mich entschlossen habe, den Bioland-Hof Voigt aufzubauen, war mir ganz klar, dass es zwar ein sinnvoller aber auch langer Weg werden würde. Selbstversorgung und Unabhängigkeit standen als meine Motivation und als Ziel ganz stark im Vordergrund. Die Direktvermarktung über unseren Hofladen und über den Syker Wochenmarkt war von Anfang wichtig und diente zur Sicherung des Absatzes der eigenen Erzeugnisse. In der Folgezeit nach der Betriebsgründung hat die Vermarktung auch durch die Einrichtung des Gemüsekisten-Lieferservices frischeKISTE ihre eigene Dynamik entwickelt und bis zum heutigen Tag beibehalten.

Wieso bewirtschaftest Du Deinen Hof nach Bio-Kriterien? Welche Möglichkeiten siehst Du für die Bio-Landwirtschaft in Niedersachsen?
Um diese Fragen zu beantworten, muss ich über Folgendes nachdenken: Was ist eigentlich ein „guter Bauer“? Wie kann man das einem anvertraute Land und die Tiere pflegen und entwickeln, ohne Raubbau zu treiben an der eigenen Gesundheit oder der anderer Leute, der Umwelt und fossiler Ressourcen? Wie kann man eigentlich seinen Betrieb wirtschaftlich betreiben, ohne seine Ideale zu verraten? Das sind ja genau die Fragen, auf die die Gründer von Bioland, Dr. Müller, Maria Müller und Hans-Peter Rusch, Antworten suchten! Deshalb ja der eigene Betriebskreislauf, in dem viele Betriebsmittel wie zum Beispiel Dünger durch eigenen Kompost selbst hergestellt werden.
Leider ist in Niedersachsen die Bio-Idee nicht aus der Nische herausgekommen. Viele systemische Vorteile des Bio-Anbaus, wie z.B. Trinkwasserschutz und Landschaftspflege, kommen so nicht zur Geltung. Was wir an Gifteintrag sparen, wird an anderen Stellen leider um ein Vielfaches mehr unserer Umwelt zugeführt! Artenvielfalt, die wir bewahren, wird woanders in ganz anderen Größenordnungen vernichtet.
Dabei boomt der Bio-Markt in Deutschland: Der Umsatz stiegin 2015 um 5%, aber der Anteil der Bio-Fläche in der Landwirtschaft stagniert – in Niedersachsen stagniert jedoch die Fläche, die für ökologischen Landbau genutzt wird! Was hat das für Folgen? Eine ganze Reihe: Der Umweltvorteil des Bio-Anbaus wird in andere Länder „exportiert“, klimaschädliche Transportwege nehmen zu und regionale Kreisläufe nehmen ab. Gerne würden wir dem noch mehr entgegen setzen, als wir es jetzt schon tun. Deshalb sind wir immer auf der Suche nach Ackerflächen in unserer Nähe, in Gessel, Ristedt oder Barrien – zum Kauf oder zur langfristigen Pacht für die Erweiterung unseres Bioland-Hofs. Wir freuen uns, wenn Leserinnen und Leser, Kundinnen und Kunden, Freundinnen und Freunde uns kontaktieren, wenn sie dahingehend einen Hinweis für uns haben.

Welche Gemüsesorten baut Ihr in der kalten Jahreszeit an und wie wird winterlich-saisonales Gemüse von Kundinnen und Kunden angenommen?
Seien wir ehrlich, so ein Gemüsekisten-Lieferservice ist ja ein hybrides Unternehmen: Einerseits dienen die eigenen und regionalen Erzeugnisse als frische Ware, andererseits bieten auch wir im Winter Gemüse und Früchte aus der Mittelmeerregion an, das in unseren Breiten gerade keine Saison hat. Natürlich gewährleisten wir, dass auch die überregionalen Produkte aus biologischem Anbau kommen. Die Transportwege jedoch bleiben.
Wir freuen uns immer über Kundinnen und Kunden, die sich auf den saisonalen Bio-Anbau konzentrieren und größtenteils saisonal kochen und essen. Hier haben wir natürlich ein schönes Angebot, denn auch im Winter kann die frischeKISTE mit heimischem Gemüse und Obst abwechslungsreich gefüllt werden.
Wir bauen diverse Kohlsorten an, die zum Teil den ganzen Winter über frisch geerntet werden und schon mal als Powergemüse bezeichnet werden können. Besonders Grünkohl ist extrem vitaminreich und sehr beliebt – aber auch Rotkohl, Rosenkohl, Wirsing, rote Bete, Hokkaidokürbis oder Porree sind Gemüsearten, die auf unseren Feldern oder bei unseren Partnern aus dem direkten Umland zu finden sind. Als Salatsorten bauen wir knackig-frischen Feldsalat und Postelein an.
Durch unseren Newsletter und unsere Rezepte bekommen Kundinnen und Kunden Information zum jeweils saisonalen Angebot, das wir für die Abo-Gemüsekisten aussuchen. Dort finden sie Vorschläge, Inspiration und Ideen, wie das winterliche Gemüse verarbeitet werden kann. Erfreulicherweise bekommen wir immer mehr Rückmeldungen, die uns zeigen, dass bei Verbraucherinnen und Verbrauchern ein Trend hin zu saisonaler Ernährung besteht. Diesen Trend finden wir gut und werden ihn weiterhin fördern.

Heinz-Jürgen, Du hast Dich auf Deinem beruflichen Lebensweg entschlossen, den Bio-Lieferservice frischeKISTE zu betreiben – was war Deine Motivation?
Ich bin auf einem konventionellen Bauernhof in Ost-Westfalen aufgewachsen und habe schnell gemerkt, dass diese Art der Landwirtschaft keine Zukunft hat und habe mich viel mit Alternativen beschäftigt. Nach meinem Studium der Biologie sah ich weder in der Wissenschaft noch in der Lehre ein vernünftiges Berufsbild, und habe mich deshalb auf meine Wurzeln besonnen und nach einer Orientierungszeit  mit Praktika auf verschieden Bio-Höfen habe ich das Konzept des Abo-Lieferdienstes kennen gelernt und fand, dass könne ich auch in meiner Region umsetzen, um die Verbreitung regional und ökologisch erzeugter Lebensmittel zu fördern.

Gerade seid Ihr dabei, den Bau einer neuen Packhalle zu planen. Der alte Packplatz reicht nicht mehr aus, da immer mehr Menschen sich für einen regionalen Bio-Lieferservice interessieren und zu Kundinnen und Kunden werden. Nimmst Du bei Verbraucherinnen und Verbrauchern ein Umdenken hinsichtlich Nahrung und Lebensmittel wahr? Inwieweit kann die frischeKISTE hier einen Beitrag leisten?

Immer mehr Kundinnnen und Kunden nehmen unseren Lieferdienst in Anspruch, das freut uns und zeigt, dass wir gute Arbeit machen. Seit meinen Anfängen vor über 20 Jahren hat sich der Markt und auch die Anforderungen stetig geändert. Bio ist aus der Nische heraus gesellschaftsfähig geworden. Wir versuchen uns mit einer stark auf regionale Produktion und guten Service ausgerichteten Strategie im schwieriger werdenden Markt von den „Großen“ der Branche abzusetzen. Mit der neuen Packhalle sind wir dann gut für die Zukunft aufgestellt und können dann in neuen Räumen zuversichtlich in die Zukunft sehen. Weitere Räume eröffnen neue Perspektiven, nicht nur räumlich sondern auch z.B. in Bezug auf Sortimente. Seien Sie gespannt, was uns dann noch für Ideen kommen.

Anlässlich der Grünen Woche im Januar in Berlin demonstrierten Zehntausende für eine Wende in der Agrarpolitik. Welche Sichtweise hast Du auf die Agrarpolitik in Deutschland?
Die Agrarwende muss kommen. Viele Menschen wollen mehr Qualität beim Essen, das merken wir in unseren täglichen Kund*innengesprächen.
Der Weg zu immer größer, immer billiger ist eine Sackgasse, die uns und die Natur an Ihre Grenzen führt. Wir versuchen einen Teil dazu beizutragen, unsere eigene Bio-Produktion auszuweiten und die regionalen Erzeuger zu stärken, aber als Gemüseerzeuger ist es zur Zeit schwer neue Anbauflächen zu finanzierbaren Preisen zu finden, da der Markt auf Grund von Energiepflanzenanbau und Bodenspekulationen aus den Fugen geraten ist.
 


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Beate Waibel-Flanz schrieb am 22.03.2016:
Lieber Herr Voigt, lieber Herr Michel, nach wie vor sind wir dankbare Kunden eines professionellen Bringdienstes, bei dem der Dienst am Kunden mit Respekt vor der Natur und den Resourcen erfolgreich verknüpft wird. Beeindruckt sind wir von der Qualität der Lebensmittel, aber auch dem Service und der Freundlichkeit des gesamten Teams. Etwas vergessen - die Bestellfrist aber schon abgelaufen? Kein Problem, das kriegen wir schon noch hin. Ich tu mich schwer mit der online-Bestellung? Es wird mir pragmatisch am Telefon geholfen (übrigens: Glückwunsch zur neuen Homepage mit wirklich ansprechenden Bildern und einer verbesserten Navigation....sich dafür Zeit und Geld zu nehmen ist ebenfalls ein Zeichen der Professionalität!). Ich habe doch mal was zu meckern - da kommt keine Rechtfertigung, sondern es wird nach vorne geschaut, ich werde als Kunde wahrgenommen und das Problem (auch wenn\'s vielleicht nur meins war) wird aus der Welt geschafft. Ich habe Rücken - der Fahrer trägt mir die Kiste in die Küche. Ich darf Ihnen und dem gesamten Team an dieser Stelle Danke sagen, Sie helfen auch uns, unseren Anteil der Verantwortung zu tragen.
Hans Mohrmann schrieb am 21.02.2016:
Glückwunsch!! Sehr gelungene Neugestaltung!!
Michael Horling schrieb am 26.02.2016:
Die Seite ist sehr gut geworden! Viel Erfolg auch mit dem Bau der Packhalle und weiterhin alles Gute.
Mira Berger schrieb am 29.02.2016:
Tolle neue Internet-Seite! Glückwunsch! Weiter so!
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