Von der Dusche in den Ferkelstall: die Pilzgeschichte von Lutz und Alexandra
Der Stand von Brinkers Pilzdiele auf unserem Hoffest 2025.
Vielleicht habt ihr Lutz Brinker letztes Jahr schon auf unserem Hoffest kennengelernt. Sein kleiner Verkaufsanhänger stand zwischen Strohballen und Kräutertöpfen, das rot-weiße Banner „Edelpilze von Brinker´s Pilzdiele“ war schon von Weitem zu sehen. Er stand mit seinen tollen Pilzen am Stand und hat jedem, der stehen blieb, erzählt, wie die Sache mit den Pilzen eigentlich angefangen hat. Für alle, die nicht dabei waren, und alle, die es gerne nochmal hören: Hier ist die Geschichte.
Ein Experiment in der Dusche
Angefangen hat alles ziemlich unspektakulär. Lutz hat die ersten Pilzkulturen einfach in der eigenen Dusche angesetzt, nur um zu sehen, ob das überhaupt funktioniert. Feuchtigkeit und Wärme sind genau das, was Pilze mögen, insofern war die Idee gar nicht so abwegig. Es hat funktioniert, und zwar so gut, dass aus dem Duschversuch schnell mehr wurde.
Kurz darauf stand der Ferkelstall auf dem Hof leer, die Schweine waren weg. Lutz und seine Frau Alexandra haben den Platz genutzt und aus dem alten Stall eine kleine Pilzfarm gemacht. Von Ferkeln zu Pilzen. Eine tolle Entwicklung, finden wir, und ziemlich mutig dazu.
Alexandra und Lutz Brinker in ihrer Pilzzucht in Asendorf.
Zwei, die sich die Arbeit teilen
Lutz ist gelernter Betriebswirt mit landwirtschaftlichem Hintergrund, Alexandra ausgebildete Pferdewirtschaftsmeisterin. Mit Pilzen hatte vorher keiner von beiden beruflich zu tun. Mittlerweile ergänzen sie sich gut: Alexandra hat sich zur Pilzspezialistin entwickelt, Lutz kümmert sich um die Technik und sorgt für die passenden Wachstumsbedingungen. Ganz reibungslos lief allerdings nicht alles am Anfang, gerade die passenden Pilzkulturen-Lieferant:innen zu finden hat am Start mehr Mühe gemacht, als die beiden anfangs dachten. Lutz trifft man außerdem immer wieder auf Events und Märkten, wo er ihre Pilze selbst präsentiert, sympathisch, authentisch und mit sichtlicher Begeisterung für das, was da in Asendorf wächst.
Der Hof heute
Brinkers Pilzdiele liegt in Asendorf, quasi vor unserer Haustür im Liefergebiet Bremen, Oldenburg und umzu. Der Betrieb ist Bio-zertifiziert (DE-ÖKO-006) und erntet seine Edelpilze das ganze Jahr über frisch. Verkauft wird über den eigenen Hofstand, an regionale Gastronomie und über Wiederverkäufer:innen wie uns. Für uns ist genau das der Punkt: Hier wird nicht in Masse produziert, sondern mit Zeit und Aufmerksamkeit für jede einzelne Charge.
Seit Juni 2025 beziehen wir unsere Edelpilze von Lutz und Alexandra, immer die Sorten, die gerade verfĂĽgbar sind. Champignons und die Sorten, die bei Brinkers Pilzdiele gerade nicht auf dem Ernteplan stehen, kommen weiterhin von Mjko, einem anderen tollen Produzenten in Emstek. So kombinieren wir zwei regionale Betriebe und ihr bekommt trotzdem immer frische Pilze in eurer Kiste.
Die Sorten im Ăśberblick
Wenn ihr Fleisch reduzieren wollt, ohne dass es auf dem Teller langweilig wird, sind Edelpilze eine gute Antwort darauf. Die Konsistenz ist wirklich ĂĽberraschend, vor allem beim Rosenseitling. Kross angebraten schmeckt er fast wie Speck, wir waren selbst ĂĽberrascht, als wir das zum ersten Mal probiert haben. Hier die sechs Sorten im Ăśberblick:
Shiitake, Kräuterseitling, Goldkäppchen, Limonenseitling, Rosenseitling und Austernseitling, frisch geerntet bei Brinkers Pilzdiele.
Austernseitling – „Der Milde“
Muschelförmig, hellbeige bis braun, mit einem milden, pilzigen Geschmack. Das Fleisch ist fest und saftig und erinnert entfernt an Kalb oder Hähnchen. Ein guter Einstieg, wenn ihr Edelpilze noch nicht kennt.
Limonenseitling – „Der Leichte“
Sommerlich frisch mit einer feinen Limonennote. Passt wunderbar zu leichten Gerichten, Salaten oder kurz angebraten zu Fisch.
Kräuterseitling – „Der Bissfeste“
Hellbraun, mit festem, dickem Fleisch, das beim Kochen bissfest bleibt, und einem würzig-nussigen Aroma. Er lässt sich komplett verwenden: in der Suppe, als Beilage zu Wild oder vegetarischen Gerichten, und auch auf dem Grill macht er eine gute Figur. Genau der, den Lutz bei uns auf dem Hoffest dabeihatte.
Shiitake – „Der Aromatische“
Nussig, würzig und mit einer leichten Knoblauchnote, dazu festes, saftiges Fleisch. Der Klassiker für alle, die es intensiv mögen, ob in der Pfanne, im Wok oder in der Brühe.
Goldkäppchen – „Der Feine“
Knackig mit nussiger Note. Ein echter Allrounder fĂĽr cremige Suppen, SoĂźen, Salate, Omelettes, Risotto, GemĂĽsepfannen oder Pasta.
Rosenseitling – „Der Speckige“
Herzhaft mit einer speckigen Note. Scharf angebraten wird er knusprig und erinnert verblüffend an Speck oder Lachsschinken. Unser Tipp: über den Salat, ins Rührei oder in die Pasta mit Käsesauce, ihr werdet den Speck nicht vermissen.
Praxistipp aus der KĂĽche
Unsicher, wo ihr anfangen sollt? Nehmt den Kräuterseitling. Er ist bissfest, vielseitig und verzeiht auch kleine Anfängerfehler beim Braten.
So bleiben eure Edelpilze frisch
Edelpilze sind empfindlicher als man denkt, aber mit ein paar einfachen Handgriffen habt ihr lange Freude an ihnen.
Tipps zu Lagerung und Zubereitung
Bewahrt die Pilze mit einem feuchten Tuch abgedeckt im Kühlschrank auf und verarbeitet sie möglichst zeitnah. In Scheiben geschnitten lassen sie sich auch gut einfrieren.
Wascht Pilze nicht, sondern putzt sie nur ab. Sie nehmen sonst Wasser auf und verlieren an Aroma. GewĂĽrzt wird erst gegen Ende der Zubereitung.
Beim Braten lohnt sich ein kleiner Trick: die Pilze zuerst ohne Öl scharf anbraten, so kann die Feuchtigkeit verdampfen und sie bekommen schön Röstaromen. Erst danach Öl oder Butter dazugeben. Zu lange solltet ihr sie trotzdem nicht in der Pfanne lassen, Pilzeiweiß ist ähnlich empfindlich wie Fischeiweiß.
Ein leicht weißer Belag auf der Oberfläche ist übrigens kein Grund zur Sorge. Das sind meist Sporen reiferer Pilze, kein Schimmel. Verdorben ist ein Pilz erst, wenn er schmierig wird, unangenehm riecht oder dunkle, eingefallene Stellen hat.
Warum uns diese Partnerschaft wichtig ist
Wir setzen bei der frischeKISTE konsequent auf Bio und Regionalität, auch bei unserem eigenen Bioland-Gemüseanbau. Genau deshalb freut es uns besonders, Lutz und Alexandra zu unseren Lieferant:innen zählen zu dürfen. Aus einem Duschexperiment und einem leeren Stall ist ein Bio-Betrieb geworden, der Woche für Woche in kleinen Mengen erntet und uns damit beliefert. Kurze Wege bedeuten frischere Ware und eine Wertschöpfung, die hier in der Region bleibt. Wenn ihr also das nächste Mal Kräuterseitlinge oder Rosenseitlinge in eurer Kiste findet, wisst ihr jetzt, wer sie großgezogen hat und mit wie viel Herzblut das passiert.
Eine Idee zum Ausprobieren
Bratet Rosenseitling in Scheiben scharf in etwas Öl an, bis er richtig knusprig ist, würzt am Ende mit Salz und Pfeffer und gebt ihn über einen Salat oder ins Rührei. Wer mag, brät Kräuterseitling dazu und füllt beides in einen Wrap mit Joghurtsoße und eingelegtem Gemüse. So wird aus einer Portion Edelpilzen im Handumdrehen ein sättigendes Gericht, das auch pilzskeptische Mitesser:innen überzeugt.
Lust auf Edelpilze aus der Nachbarschaft?
Entdeckt die Sorten von Brinkers Pilzdiele in eurer nächsten frischeKISTE, und vielleicht sehen wir Lutz ja auf dem nächsten Hoffest wieder.